DOK-Premiere Dokumentarfilme mit Regisseurgesprächen
Einmal im Monat zeigen wir einen aktuellen Dokumentarfilm und laden die Macher dazu ein. Nach dem Film diskutieren die Regisseur*innen mit dem Publikum. Die Bandbreite an DOK-Filmen ist bewusst breit gehalten. Es geht um außergewöhnliche Filme und Themen, über die sich ein Gespräch lohnt.
Zu Gast waren sowohl bekannte Filmemacher wie Pepe Danquart, Andres Veiel, Michael Glawogger und Volker Koepp, als auch junge Talente mit ihren Filmen. Manche Filme zeigen wir bereits vor ihrem Kinostart, andere sind sogar Team-Premieren einer Produktion.
Seit 2011 gibt es die DOK-Premiere im Caligari-Kino. Initiiert, viele Jahre kuratiert und vor Ort moderiert wurde sie von Filmwissenschaftler Kay Hoffmann.
Inzwischen hat seine Rolle Christine Schäfer vom Haus des Dokumentarfilms übernommen.
Die DOK-Premiere ist eine Zusammenarbeit mit dem Haus des Dokumentarfilms Stuttgart.
Informationen über den Film
10|2026
Biermann
Textinformationen
Mi 28. Oktober 2026 19:30 Uhr Caligari-Kino
Im Anschluss an die Vorstellung findet ein Filmgespräch mit Regisseur Jens Meurer statt. Moderation: Christine Schäfer
Liedermacher Wolf Biermann hat schon immer polarisiert. Seit über 60 Jahren sorgt die poetische Kraft seiner Texte für kleine und große politische Beben. Und so ist die Musik der Ausgangspunkt, sich dieser Jahrhundertpersönlichkeit filmisch zu nähern. Einem Mann, der die Dialektik lebt und lebendig macht, weil er sie auf seine verschmitzte Art sehr ernst nimmt. Er erklärt die Welt, indem er sie unablässig in Frage und gerne auf den Kopf stellt. Und bewahrt dabei Haltung.
Der Film begleitet den 90-Jährigen bei der Begegnung mit jungen Künstler.innen, Politiker.innen sowie seiner Familie und verwebt dieses Material mit ikonischen, teils unveröffentlichten Archivaufnahmen. Im Zentrum stehen Biermanns Herkunft, seine Hinwendung zur Musik, sein Wirken in der DDR, das Kölner Konzert von 1976 und dessen Folgen sowie sein künstlerisches Arbeiten bis in die Gegenwart.
So entsteht ein mitreißendes und sehr persönliches Kaleidoskop eines Lebens, eine einzigartige Biografie eines einzigartigen Menschen. Denn: Mit keinem lebenden Künstler ist deutsch-deutsche Geschichte so eng verbunden wie mit Wolf Biermann.
BRD 2026, 120 Min.
Regie: Jens Meurer (Seaside Special, An Impossible Project)
Buch: Dirk Kämper, Jens Meurer, Pamela Biermann
Kamera: Sebastian Ganschow, Bernd Fischer
Jens Meurer arbeitet seit über drei Jahrzehnten gleichermaßen leidenschaftlich für den Dokumentar- als auch für den Spielfilm. Seine Arbeiten verbinden persönliche Handschrift mit historischem Bewusstsein und einem ausgeprägten Interesse an politischen und gesellschaftlichen Zusammenhängen.
1963 in Nürnberg geboren, lebte Meurer ab seinem zwölften Lebensjahr in Johannesburg, Südafrika. Nach Ausflügen ins journalistische Fach, sowie einem Studium in Oxford, Paris und New York widmete er sich in seinen ersten Dokumentarfilmen ab Anfang der 1990er Jahre thematisch dem Zerfall der Sowjetunion, der Überwindung der Apartheid in Südafrika, sowie der Revolutions- Geschichte der Black Panther-Bewegung. Sein Werk als Dokumentarfilmer, für das er als Regisseur und Drehbuchautor verantwortlich zeichnet, umfasst 11 Langfilme und einen Kurzfilm.
Als Produzent war Jens Meurer bei diversen internationalen Kino- und Fernsehproduktionen federführend, darunter „Russian Ark“, den Regisseur Alexander Sokurov in der Eremitage in St. Petersburg realisierte; „Black Book“, das europäische Comeback der Regie-Legende Paul Verhoeven; der mit zwei Oscar-Nominierungen gekürte „Ein russischer Sommer“ (Regie: Michael Hoffmann) sowie Oliver Assayas‘ Meisterwerk „Carlos – Der Schakal“.
Informationen über den Film
11|2026
Helene Weigel - Revolutionärin im Rampenlicht
Textinformationen
Di 17. November 2026 17:00 Uhr Caligari-Kino
Im Anschluss an die Vorstellung findet ein Filmgespräch mit Regisseur in Maria Wischnewski statt. Moderation: Christine Schäfer
Helene Weigel hat ein unglaubliches Vermächtnis hinterlassen – mit ihrem eigenen Werk und dem ihres Mannes Bertolt Brecht, der an ihr wuchs und nur mit ihr Theatergeschichte schreiben konnte. Von der „lärmendsten Schauspielerin Berlins“, die Anfang der 1920er Jahre mit explosivem Stil und rabiater Behauptungskunst zum Theaterstar der Hauptstadt aufstieg, zur Intendantin des Berliner Ensembles. Sie war eine Macherin, die sich für nichts zu fein war. Ihr Spektrum reichte von der Handwerkerin bis zur Erneuerin des Epischen Theaters, von der Sängerin in Arbeiterkneipen bis zur Matriarchin mit Masterplan, die sich und ihr Theaterhaus gegen alle Verwerfungen der Nachkriegszeit zu wehren wusste. Für viele Menschen in der jungen DDR wurde sie zur Hoffnungsträgerin.
Der Dokumentarfilm füllt eine gravierende Lücke, denn erschütternd wenig wird an den gewaltigen Spielraum erinnert, den Helene Weigel für sich, die Schauspielkunst und die Kulturpolitik erkämpfte. Er lässt teilhaben an diesem verwegenen, rasanten, tragischen Leben, das voller Erschütterungen und unerschütterlicher Energie steckt. Höchste Zeit ist es für die Geschichte dieser Jüdin aus Wien, die zu einer Frau der Extreme wurde.
BRD/Österreich 2026, 102 Min.
Regie, Buch: Maria Wischnewski
Kamera: Martin Langner
Montage: Marek Weinhold
Dokumentarfilm
Mit Katharina Thalbach, Sarah Brecht, Johanna Schall, Manfred Karge, Sabine Kebir, Vera Tenschert, Birgit Minichmayr, August Diehl uva.
FSK: 6
Die Filmemacherin Maria Wischnewski wurde 1976 in Ost-Berlin geboren und lebt heute in Brandenburg. Bereits früh ist sie dem Dokumentarfilm in all seinen Facetten verfallen. Sie arbeitet seit 2007 als Autorin, Regisseurin und Produzentin. 2016 gründet sie die Firma Koberstein Film, die sich die Produktion von Filmen, die wirken und bewegen wollen, auf die Fahnen geschrieben hat – in einer Zeit, in der Dokumentarfilm wichtiger denn je ist. Viele der Filme profitieren von einem transmedialen Ansatz und spartenübergreifenden Synergien. Die Partnerschaften je nach Projekt gehen oft über den Filmbereich hinaus. Es gibt Kooperationen mit Stiftungen, Theatern, Hochschulen und kulturellen Institutionen. Maria Wischnewski ist Mitglied der Deutschen Filmakademie, im Vorstand der AG DOK und Grimme-Preisträgerin.