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Donnerstag, 19. April 2018

Loveless

Foto aus Loveless

Die ebenso düstere wie meisterhafte Gesellschaftsparabel erzählt bildstark und mit beunruhigender Ruhe von einem sich trennenden Ehepaar in der russischen Mittelschicht. Der neue Film von Andrej Swjaginzew (Leviathan) erhielt den Preis der Jury in Cannes.

Zhenya und Boris, ein Paar aus der gehobenen russischen Mittelschicht, stehen vor den Trümmern ihrer Ehe. Längst ist die frühere Zuneigung bitteren Anschuldigungen gewichen. Im Zentrum des Debakels und gleichzeitig völlig abseits steht ihr 12jähriger Sohn Alyosha, dessen Schmerz und Einsamkeit niemand wahrnimmt. Keiner der Eltern will ihn in ein neues Leben mitnehmen, ein Internat steht zur Debatte. Als die Vorwürfe zwischen Zhenya und Boris erneut eskalieren, verschwindet Alyosha plötzlich, was die Polizei tatenlos hinnimmt. Im Rahmen einer groß angelegten Suchaktion von Freiwilligen müssen sich die Ex-Partner wider Willen zusammentun, um das letzte, was sie noch verbindet, aufzuspüren.

Als Geschichte erkalteter Beziehungen und Kommentar auf die moderne russische Gesellschaft inszenierte Regisseur Andrej Swjaginzew den Nachfolger seines mehrfach ausgezeichneten Dramas „Leviathan“. Mit sorgfältigem Realismus entwirft er auch hier ein Tableau zwischenmenschlicher Gleichgültigkeit: Die Lebensenttäuschung und der oberflächliche Materialismus, dem die Hauptfiguren verfallen sind, machen den Film über das Familienportrait hinaus zu einem intensiven Dokument emotionalen Rückzugs, dem vor allem Unbeteiligte zum Opfer fallen.

Und bei aller Parabelhaftigkeit findet Swjaginzew eine sehr reizvolle Balance zwischen Realismus und Metaphorik. (epd film)

„Loveless“ ist unbequem und durchweg freudlos. Doch für dieses einmalige Erlebnis einer komplexen, politisch unterfütterten und bis zuletzt undurchschaubaren Charakterstudie über zwei hochkomplizierte Menschen, hätte er den Oscar und möglichst viele Zuschauer dennoch verdient. (programmkino.de)

Auf dem Cannes Filmfestival 2017 wurde der Film mit dem Preis der Jury ausgezeichnet, er hat eine Golden Globe Nominierung erhalten und war auch für den Oscar als Bester Fremdsprachiger Film nominiert.

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Originaltitel:
Nelyubov
 
Russland/Frankreich/BRD 2017, 127 Min.
Regie:
Andrej Swjaginzew (Leviathan, Elena, Die Rückkehr - Woswraschtschenije)
Drehbuch:
Andrej Swjaginzew, Oleg Negin
Kamera:
Mikhail Kritschman
Darsteller:
Maryana Spyvak, Alexey Rozin, Matvey Novikov, Andris Keishs, Marina Vasilyeva u.a.
FSK:
Ab 16 Jahre
 
Ausführliche Besprechung bei programmkino.de

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